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Sündenbock gesuchtMünsteraner Theologe sieht in Duisburg die uralte Suche nach einem Sündenbock
04.08.2010: Der Münsteraner Theologe Prof. Dr. Hans-Peter Großhans sieht in den öffentlichen Forderungen nach Rücktritt des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland den uralten Ruf nach einem Sündenbock. Da wird ein Ersatz-Schuldiger gesucht, wenn kein richtig Verantwortlicher zu greifen ist, sagte der Wissenschaftler des Exzellenzclusters Religion und Politik der Universität Münster der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) (Mittwoch). Man möchte schnell jemanden bestrafen. Daraus spreche auch das Bedürfnis, die Justiz selbst in die Hand zu nehmen. Doch damit wäre überhaupt nichts gelöst, unterstrich Großhans. Als evangelischer Theologe muss ich sagen: Es ist nicht richtig. 21 Menschen sind gestorben. Das kann nicht auf diese Weise bewältigt werden. Der Begriff "Sündenbock" geht auf das 3. Buch Mose zurück
Ohne Sündenbock könnte sich die Spirale der Gewalt weiterdrehen
Zu Duisburg bestehen laut Großhans Parallelen. Auch wenn dem einen oder anderen Amtsleiter dort juristisch keine Schuld nachzuweisen ist, wenn er im Verfahren zuvor alles richtig gemacht hat, muss er doch sehen: Es war nicht gut. 21 Menschen haben ihr Leben verloren. Nach Ansicht des Wissenschaftlers müsste eine große Scham ausbrechen. Wieso sagt keiner: Ich war der Verantwortung nicht gewachsen, ich lasse mich ein oder zwei Stufen in der Verwaltungshierarchie degradieren. Als öffentliches Zeichen dafür könnte sich der Forscher ähnlich wie den Trauer-Gottesdienst auch einen Buß-Gottesdienst zur Entsühnung in der Stadt vorstellen.
Neuere Theorien über den Sündenbock greifen dem Theologen zufolge die Frage auf, was passiert, wenn wie in Duisburg niemand Verantwortung übernimmt. Normalerweise führt dies zu diversen Formen von gesellschaftlicher Aggressivität. Beenden könne diese Spirale der Gewalt bedauerlicherweise nur einer, der zum Sündenbock gemacht werde. Quelle: Presseinformation des Exzellenzclusters "Religion und Politik" an der Westfälischen Wilhelms-Universität vom 04.08.2010 |